Musik bei einer Trauerfeier: Wie finde ich das richtige Lied?
- Anke Elich
- 16. Juli
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 17. Juli
Eine Frage, die sich viele Angehörige stellen.
Bei der Musikauswahl geht es nicht um die Frage, ob ein Lied angemessen ist. Entscheidend ist vielmehr, ob es zu dem Menschen passt, von dem wir Abschied nehmen. Ob es Erinnerungen weckt. Ob es Halt gibt.
Eine freie Trauerzeremonie erzählt von einem gelebten Leben. Von Höhen und Tiefen, von Eigenheiten, von gemeinsamen Wegen und von den Beziehungen, die einen Menschen geprägt haben. Von all dem, was die eigene Geschichte ausgemacht hat. Musik kann dabei ein wichtiger Teil sein, denn manchmal hilft eine Melodie dabei, Worte wirken zu lassen oder eigene Bilder und Gefühle entstehen zu lassen.
Meine persönliche Erfahrung
Als ich damals die Trauerfeier für meine Großmutter gestaltet habe, hatte ich absolute Freiheit in der Gestaltung. Sowohl bei den Worten als auch bei der Musik.
Die Entscheidung, welche Lieder gespielt werden sollen, ist mir dabei auch nicht leicht gefallen. Ich habe eine ganze Liste voller Lieder, die schön und einfühlsam sind, Texte haben, die zum Nachdenken inspirieren, Melodien, die dem Anlass angemessen sind. Schlussendlich habe ich mich für drei textlose Lieder und eins mit Text entschieden.
Das Lied hieß „Euch zum Geleit“ von Schandmaul.
Tatsächlich war ich mir zu Beginn etwas unsicher, ob ich das Lied spielen lassen wollte. Ich fand es sehr schön und auch inhaltlich absolut passend, aber was mich hier abgeschreckt hatte, war der Name der Band. Sie klingt im ersten Moment vielleicht etwas rustikaler.. Ich habe mir viele Gedanken gemacht, wie meine Familie dieses Lied wohl aufnehmen würde.
Am Ende habe ich mich trotzdem dafür entschieden. Tatsächlich lief dieses Lied nicht nur während der Trauerfeier, der Refrain wurde auch in abgewandelter Form zu meinen letzten Worten am Grab:
„Wollt ihr sie sehn,
so schließt die Augen.
Wollt ihr sie hörn,
so lauscht dem Wind.
Wollt ihr sie sehn,
schaut in die Sterne.
Wollt ihr sie hörn,
kommt an den Fluss.“
Wenn ich es jetzt höre, denke ich an diesen Moment zurück.
An den Moment, als das Lied erklang, an den Moment, als wir am Grab standen und daran, wie sehr es ihr gefallen hätte, wenn wir dieses Bild von ihr vor Augen haben würden.
Es begleitet mich bis heute. Egal wo und wann ich dieses Lied höre, denke ich an diesen Tag zurück und damit verbunden, an die gemeinsame Zeit.
Für mich ist Musik eine Brücke.
Zwischen heute und Erinnerungen.
Bei der Gestaltung einer Trauerfeier steht daher ganz oft die Frage im Raum, welche Lieder gespielt werden sollen.
Dabei geht es selten nur um die Musik an sich.
Es geht darum, sich eine Brücke zu bauen, um Momente lebendig zu halten. Ein Lebensgefühl einzufangen.
Wie findet man die richtige Musik für eine Trauerfeier?
Weil Musik so eng mit Emotionen verbunden ist, fällt vielen Angehörigen die Liedauswahl für die Trauerfeier nicht leicht.
Passt das Lied?
Ist es zu modern?
Ist es zu traurig oder vielleicht zu fröhlich?
Kann man es in so einer Situation spielen?
Was denken die anderen Gäste darüber?
Das sind Gründe, die dazu führen, dass viele Menschen zu bekannten Stücken greifen.
Zu sogenannten „Trauerklassikern“ wie „Over the Rainbow" oder „You Raise Me Up". Das sind auch wirklich schöne Lieder, keine Frage. Aber nicht immer die persönlichsten.
Diese Unsicherheit verhindert manchmal, sich für ein Lied zu entscheiden, das auf den ersten Blick vielleicht etwas unkonventionell ist, aber individueller und besonderer ist.
Das kann ein Lieblingslied sein. Ein Stück einer Lieblingsband oder aus einem Film, der gerne geschaut wurde. Oder auch ein Lied, das ein Gefühl transportiert, das zu diesem Menschen passt. Oder eine Lebenseinstellung.
Eine Frage, die ich Angehörigen gerne stelle, lautet:
"Wenn er oder sie hören könnte, welche Musik Sie ausgewählt haben, würde er oder sie lächeln? Würde es ihm oder ihr gefallen?"
Besonders berührend finde ich es immer, wenn ein Lied plötzlich ein ganzes Bild, eine Geschichte entstehen lässt.
Wenn man sich vorstellen kann, wie in einer Küche gemeinsam gekocht wurde, mit Düften, die das ganze Haus erfüllen.
Ein Lied, das im Hintergrund lief, während man gemeinsam auf dem Balkon saß.
Eine bestimmte Musikrichtung, die ganz typisch für einen besonderen Urlaub war.
Oder ein Ereignis, das durch ein Lied geprägt wurde.
Musik bei einer Beerdigung ist viel mehr als nur ein Hintergrundlied.
Sie ist Erinnerung in Klangform.
Auch bei den Fragen wie viele Lieder üblich sind, ob es Lieder mit Texten oder auch Instrumentalstücke sein können, versuche ich zu ermutigen, nach dem Herzen zu entscheiden.
Alles ist möglich.
In meiner Erfahrung funktionieren in freien Zeremonien meist 3–4 Musikstücke am besten.
Das erste Lied erklingt vor Beginn der Zeremonie. Es begleitet das Ankommen und gibt Raum, innerlich zur Ruhe zu kommen.
Je nach Länge der Trauerfeier können ein bis zwei weitere Stücke während der Zeremonie eingebunden werden. Dadurch kann sich das Gesagte setzen und man kann in die eigene Gedankenwelt abtauchen. Dafür ist Instrumentalmusik besonders stark. Und wenn es ein besonderes Lied mit Text gibt, können vielleicht Inhalte des Liedes am Grab wiederholt werden.
Das letzte Lied begleitet den Auszug und den letzten gemeinsamen Weg.
Es gibt nicht das eine richtige Lied für eine Trauerfeier.
Wichtig ist, dass die Musik zu dem Menschen passt, etwas von dem widerspiegelt, was ihn ausgemacht hat und auch für die Angehörigen ein wertvoller Teil dieses Moments wird.
Eine Trauerfeier ist nicht nur ein Abschied. Sie ist auch ein Moment, in dem Angehörige zusammenkommen, zurückblicken und einen gemeinsamen Weg gehen.
Wenn Sie Unterstützung bei der Auswahl der Musik oder bei der Gestaltung einer persönlichen Trauerfeier benötigen, begleite ich Sie als freie Trauerrednerin gerne dabei, einen Abschied zu gestalten, der die Persönlichkeit dieses Menschen zum Ausdruck bringt.
