Rituale bei einer Trauerfeier: Wie kleine Gewohnheiten einen persönlichen Abschied schaffen
- Anke Elich
- 20. Juli
- 4 Min. Lesezeit
Viele Angehörige suchen nach Ritualen bei einer Beerdigung, die den Abschied persönlicher machen können.
Wenn wir von Ritualen bei Trauerfeiern sprechen, denken viele Menschen zuerst an bestimmte Handlungen: eine Kerze anzünden, einen Stein beschriften, Gedanken und Abschiedsworte notieren oder gemeinsam etwas niederlegen.
Solche Rituale können einen Abschied begleiten und einen besonderen Moment schaffen. Doch ein persönlicher Abschied braucht nicht immer ein klassisches Ritual.
Manchmal liegt das Schönste bereits in den kleinen Traditionen, die ein Mensch über Jahre gepflegt hat.
Jeder Mensch hat Gewohnheiten und Vorlieben, die für andere vielleicht unscheinbar wirken, aber an so einem Tag noch einmal eine besondere Bedeutung bekommen können. Als kleines Zeichen der Erinnerung.
Eine Tasse Tee am Morgen.
Eine Sorte Weihnachtskekse, die besonders gern gegessen wurde.
Eine Blume, über die sich immer ganz besonders gefreut wurde.
Solche Dinge erscheinen im ersten Moment vielleicht etwas unkonventionell, wenn man an Rituale bei einer Beerdigung denkt, aber sie können eine besondere Bedeutung bekommen.
Eine Trauerfeier ist ein Moment voller Emotionen und Gefühle. Menschen hören Geschichten über einen geliebten Menschen, denken an gemeinsame Erlebnisse zurück und versuchen, einen Abschied zu begreifen. In diesem Moment darf es auch einfach darum gehen, zuzuhören und in Gedanken zu schwelgen.
Deshalb glaube ich, dass nicht jede Handlung während einer Trauerfeier passend ist. Gedanken aufzuschreiben, Briefe zu verfassen oder etwas zu gestalten, kann für manche Menschen schön sein, für andere kann es aber auch überfordernd sein. Vielleicht sind sie in diesem Moment sogar froh darüber, keine zusätzliche Aufgabe zu bekommen.
Für mich entsteht ein persönliches Ritual dann, wenn es nicht gemacht wird, weil man es „eben so macht“, sondern weil es wirklich etwas mit diesem Menschen zu tun hat.
Ich finde den Gedanken schön, den Angehörigen etwas mitzugeben.
Etwas Kleines, das sie auch nach diesem Tag noch in den Händen halten können und das sie an diesen Menschen erinnert. Wenn so eine Geste schön mit in die Rede einfließt, kann sie vielleicht sogar ein Lächeln hervorrufen.
So hat man nicht nur eine schöne Erinnerung an diesen Moment, sondern nimmt auch ein kleines Stück von diesem Menschen mit.
So war es auch bei der Beisetzung meiner Großmutter.
Die Lieblingsschokolade meiner Großmutter
Meine Großmutter hatte in den letzten Jahren eine kleine Gewohnheit entwickelt. Jeden Abend nach dem Abendessen freute sie sich auf eine Reihe ihrer Lieblings-Mandel-Rahm-Schokolade.
Eine Tafel bestand aus sieben Reihen. Für jeden Tag der Woche genau eine. Nicht mehr und nicht weniger.
Jeden Abend freute sie sich auf diesen kleinen Moment.
Ein paar Tage vor der Beisetzung kam mir plötzlich ein Gedanke:
Ich möchte jeden Gast an dieser Tradition teilhaben lassen.
Jeder soll ein Stück ihrer Lieblingsschokolade bekommen.
Also kaufte ich ihre Lieblingsschokolade, gestaltete kleine Kärtchen mit ihrem Namen, ihren Lebensdaten und ihrer Lieblingsblume und verpackte für jeden Gast einen kleinen Riegel.
Am Tag der Beisetzung verteilte ich sie auf den Plätze, ohne dass jemand wusste, was es damit auf sich hatte.
Als ich an der Stelle in der Trauerfeier angekommen war, an der ich von dieser besonderen Gewohnheit erzählen wollte, erklärte ich:
„In den letzten Jahren entwickelte sich eine besondere Tradition: der tägliche Genuss eines Stückes Schokolade. Jeden Abend nach dem Essen freute sie sich auf einen Riegel ihrer Lieblings-Mandel-Rahm-Schokolade.
Zur Erinnerung an diese schöne Gewohnheit haben wir an jedem Platz einen Riegel ihrer Lieblingsschokolade bereitgelegt – zum Genießen und Erinnern.“
Ich erinnere mich noch gut an die Reaktionen. Zu Beginn wussten die Gäste nicht, was sich in den kleinen Päckchen befand. Als ich an dieser Stelle ankam, wurde viel geschmunzelt.
Jedes Mal, wenn ich eine Tafel dieser Schokolade sehe, muss ich unwillkürlich lächeln und daran denken, wie sie mir immer eine Tafel mitgegeben hatte, wenn ich sie besucht habe.
So wurde aus einer kleinen Gewohnheit etwas, das auch heute noch ein Lächeln hervorruft.
Wie entstehen persönliche Rituale bei einer Trauerfeier?
In meinen Gesprächen mit Angehörigen frage ich deshalb nicht nur nach den großen Ereignissen im Leben eines Menschen.
Mich interessieren vor allem die kleinen Dinge, die einen Menschen unverwechselbar machen.
Welche Gewohnheiten waren typisch?
Gab es kleine Traditionen, die über Jahre zu diesem Menschen gehörten?
Worüber wurde sich gefreut?
Ich glaube, dass gerade diese kleinen Details oft am längsten in Erinnerung bleiben. Nicht, weil sie besonders außergewöhnlich sind, sondern weil sie zu diesem Menschen gehört haben und nicht austauschbar sind.
Es geht nicht darum, etwas Außergewöhnliches zu erfinden.
Es geht darum, etwas wieder aufleben zu lassen, womit man jemanden auf besondere Weise in Erinnerung behält.
Mögliche Ideen können sein:
ein Stück der Lieblingsschokolade oder ein Lieblingskeks
eine kleine Karte mit einem Familienrezept
eine bestimmte Teesorte oder ein Lieblingsgetränk
Samen einer Lieblingsblume
ein Foto mit einem persönlichen Satz
ein kleiner Gegenstand, der typisch für diesen Menschen war
ein Duft, der mit einer besonderen Erinnerung verbunden ist
Solche Details machen eine Trauerfeier richtig persönlich.
Ein Ritual muss nicht klassisch sein.
Manchmal reicht eine kleine Idee, die zeigt, wie dieser Mensch gelebt hat.
Eine Trauerfeier erzählt nicht nur davon, dass ein Mensch gegangen ist. Sie erzählt auch davon, wie dieser Mensch gelebt hat, was er hinterlässt und mitgibt.
Wenn Sie sich wünschen, dass genau diese kleinen Geschichten und Eigenheiten in einer Trauerfeier ihren Platz finden, begleite ich Sie als freie Trauerrednerin sehr gerne dabei.




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